Madonna trifft Tolle Grete. Sammler und ihre Spitzenstücke

Bis zum 9. Januar 2022 verlängert

Natürlich sind Fouquet und Bruegel die wahren Meister hinter der Madonna und die Dulle Griet. Dass wir diese Werke auch heute noch bewundern können, haben wir jedoch engagierten Sammlern zu verdanken. Treten Sie ein in die Welt der Sammler Florent und Fritz und entdecken Sie ihre unaufhaltsame Suche nach Schönheit. 

Florent van Ertborn (1784–1840) und Fritz Mayer van den Bergh (1858–1901) sammelten mit großer Leidenschaft Gemälde, Skulpturen, Manuskripte und vieles mehr. Oft handelte es sich dabei um Schnäppchen, manchmal aber auch um große Investitionen und ab und zu um geniale Funde. Die beiden Antwerpener Sammler waren ihrer Zeit weit voraus. Jahrhunderte lang galt Rubens als größter Maler. Für andere flämische Meister wie Pieter Bruegel den Älteren, Quinten Massijs, Rogier van der Weyden oder das Werk des Franzosen Jean Fouquet interessierte man sich kaum. Van Ertborn und Mayer van den Bergh hatten jedoch ein Auge für die hohe Qualität dieser Kunst.

Trendsetters

Die beiden scharfsinnigen Sammler laden Sie ab 5. Oktober 2019 ins Antwerpener Museum Mayer van den Bergh ein. Fritz und Florent begeistern Sie dort mit ihrer Sammelwut und zeigen Ihnen einige Spitzenstücke aus ihrer Sammlung. Den Höhepunkt bildet das erst kürzlich restaurierte Gemälde Dulle Griet von Pieter Bruegel dem Älteren. Es wurde vor genau 125 Jahren von Fritz Mayer van den Bergh wiederentdeckt und auf einer Auktion in Köln ersteigert. Das rätselhafte Bild hing dort hoch an der Wand. Der junge Sammler mit deutschen Wurzeln war aufmerksamer als die prestigeträchtigen Museen seiner Zeit und erwarb das bizarre Werk für nur 488 alte belgische Franken. Fritz machte dort das Geschäft seines Lebens, denn bis zu diesem Augenblick war man davon überzeugt, das Bild sei verloren gegangen.  

Auch Ritter Florent van Ertborn, der rund 100 Spitzenstücke für das Museum der Schönen Künste in Antwerpen erwarb, hatte ein Näschen für geniale Funde dieser Art. Er kaufte in einem Pariser Kunstgeschäft die äußerst ungewöhnliche Madonna von Fouquet, die nach über 500 Jahren auch heute noch zu den schönsten französischen Gemälden zählt. Für den Kalvarienberg von Antonello da Messina traf Van Ertborn eine Vereinbarung mit einem Genter Sammler, der das kleine italienische Tafelbild für einen hohen Betrag verkaufen wollte. Die genauen Umstände sind (noch) nicht bekannt, Van Ertborn hat aber vermutlich einige seiner Stücke gegen dieses Meisterwerk von Antonello Da Messina getauscht.

Der Erwerb der kleinen Weihnachtswiege war für Fritz möglicherweise ein Zufallstreffer, denn das Stück war Bestandteil eines umfangreiches Loses, für dessen Erwerb er ein großes finanzielles Risiko einging. Kenner und Sammler hielten die Wiege für ein einfaches Spielzeug aus dem Mittelalter. Mayer van den Bergh erkannte jedoch die außergewöhnliche Qualität dieses Objektes, das aus einem Kloster stammte: Im 15. Jahrhundert zogen Nonnen an dem kleinen Bändchen, während sie Lieder sangen. Die Wiege begann dann zu schaukeln und die Glöckchen klingelten. Ein mystisches Erlebnis, das alle Sinne ansprach.

Eine Ode an die Schönheit

Die Ausstellung „Madonna trifft Tolle Grete. Sammler präsentieren ihre Spitzenstücke” zeigt eine Auswahl von 34 Kunstwerken, die einen Einblick in die Sammelleidenschaft von Florent van Ertborn und Fritz Mayer van den Bergh verleihen. Hauptsächlich Gemälde, aber auch Skulpturen, eine Tapisserie, sowie Medaillen und Gebrauchsgegenstände aus dem 15. und 16. Jahrhundert gehen einen Dialog miteinander ein und verweisen auf eine Welt im Wandel. Die Kunst aus dem 15. Jahrhundert ist meist religiös und hat zahlreiche Objekte hervorgebracht, die es dem Betrachter ermöglichen, sich in spirituelle Gedanken zu vertiefen. Die humanistischen, moralischen und städtischen Motive aus dem 16. Jahrhundert, mit denen diese Werke konfrontiert werden, erzeugen einen interessanten Gegensatz und eine andere Energie. Doppeldeutige Werke wie der Städtische Steuereinnehmer von Marinus van Reymerswale und die Bauerngesellschaft am Kamin von Pieter Aertsen zeugen von einer städtischen Dynamik. Die im 16. Jahrhundert aufkommende Klasse der Kaufleute führte zu einer innovativen Thematik in den Künsten. Der moralisierende Spiegel, der dem Betrachter hier vorgesetzt wird, unterscheidet sich stark von den Meditationsobjekten aus dem 15. Jahrhundert oder den panoramischen Landschaften von Herri met de Bles und Joachim Patinir, auf denen der religiöse Aspekt eher an den Rand verdrängt wurde.

Die Ausstellung „Madonna trifft Tolle Grete” ist eine Augenweide. Diese Ode an die Schönheit verdanken wir zwei engagierten Sammlern aus dem 19. Jahrhundert. Viele Werke, die sie zusammengetragen haben, genießen heute den besonderen Status eines Spitzenstücks. In der hier präsentierten Auswahl von Werken aus dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen befinden sich 9 offizielle Spitzenstücke. Van Ertborns insgesamt 106 Kunstwerke umfassendes Vermächtnis enthält 21 Spitzenstücke, die die Bedeutung dieser Sammlung und seinen außergewöhnlichen Spürsinn belegen. Die vollständige Sammlung von Fritz Mayer van den Bergh besteht aus 3 100 Kunstgegenständen und 2 500 Münzen und Medaillen. Vorläufig wurden 48 dieser Werke – darunter auch eine Serie von 60 Plaketten –, sowie 4 potenzielle Objekte in die Liste der Spitzenstücke aufgenommen. 10 davon können in der Ausstellung besichtigt werden.  

Gastgeber und Museumsgründer 

Fritz und Florent spielten eine bedeutende Rolle in der Kunstwelt: Sie schufen die Grundlage für die Sammlungen des Museums Mayer van den Bergh und des Königlichen Museums der Schönen Künste Antwerpen.

Fritz Mayer van den Bergh lädt Florent zu dieser Ausstellung in sein Haus, das Museum Mayer van den Bergh im Herzen Antwerpens ein. Er sammelte in seinem kurzen leben über 3000 Kunstgegenstände. Nach seinem plötzlichen Tod ließ seine Mutter Henriette dieses Museum bauen, um das Lebenswerk ihres Sohnes darin unterzubringen. In einem häuslichen Ambiente werden dort Gemälde, Altaraufsätze, monumentale Skulpturen, Handschriften, Tapisserien und viele prächtige kleinere Kunstwerken ausgestellt. Wer das Museum heute betritt, spürt noch immer die Leidenschaft und das gute Auge von Fritz Mayer van den Bergh, sowie die bedingungslose Liebe der Mutter für ihren Sohn, Fritz Mayer van den Bergh.

Florent van Ertborn hinterließ seiner Geburtsstadt Antwerpen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine fabelhafte Kunstsammlung. Sein aus 141 Tafelbildern bestehendes Vermächtnis gehört auch heute noch zu den Fundamenten des Königlichen Museums der Schönen Künste Antwerpen, das dadurch eine besonders reiche Sammlung von Gemälden alter flämischer Meister präsentieren kann. Das Königliche Museum der Schönen Künste ist zurzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Seine Spitzenwerke werden vorübergehend in ausländischen Museen gezeigt. Für diese Ausstellung kehren sie jedoch unter dem wachsamen Auge des Gründungsvaters Florent van Ertborn nach Antwerpen zurück.

Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) und findet im Rahmen des Bruegel-Jahres 2019 statt.

 

BESUCHERINFORMATIONEN

Madonna trifft Tolle Grete. Sammler und ihre Spitzenstücke

Vom 5. Oktober 2019 bis 31. Dezember 2020

 

Museum Mayer van den Bergh

Lange Gasthuisstraat 19, 2000 Antwerpen

www.museummayervandenbergh.be

 

Eintrittspreise:

8,00 € / 6,00 € / Eintritt frei (Karten: online auf www.museummayervandenbergh.be oder vor Ort)

 

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag: 10.00 bis 17.00 Uhr Geschlossen: Montag und an Feiertagen (1. November, 25. Dezember, 1. Januar, 1. Mai & Himmelfahrt) Ausnahmsweise geöffnet: Ostermontag & Pfingstmontag

Führungen:

  • Dauer 90 Minuten
  • Kapazität max. 15 Personen pro Führer & max. 2 Gruppen pro Stunde
  • Sprachen NL – ENG – FR – DE
  • Preis pro Führung 75 € + 5 € Verwaltungskosten (Ab dem 2. Januar 85 + 5 € Verwaltungskosten) + ; exklusiv Eintrittspreis zum Museum  (8 € / Gruppen ab 12 Personen: 6 €)
  • Das Museum verfügt über ein „Listeningsystem”, sodass der Führer immer gut zu verstehen ist.

Buchungen: Visit Antwerpen Booking and Ticketing, tel +32 (0)3 338 95 30  (erreichbar an jedem Werktag zwischen 9 und 17 Uhr), tickets@visitantwerpen.be.

Zugänglichkeit: Das Museum Mayer van den Bergh ist ein historisches Gebäude mit vielen Treppen. Die Ausstellung befindet sich in der ersten Etage. Nur das Erdgeschoss ist für Rollstuhlfahrer zugänglich. 

Erreichbarkeit: Das Museum Mayer van den Bergh liegt ungefähr 20 Minuten zu Fuß vom Antwerpener Hauptbahnhof Antwerpen Centraal entfernt. Weitere Informationen finden Sie auf www.museummayervandenbergh.be

 

Stadstundgang: Auf den Spuren von Bruegel

Vom 5. Oktober 2019 bis 26. Januar 2020

Die Teilnehmer besuchen mit einem Führer Orte im Zentrum Antwerpens, die etwas mit dem Leben, der Zeit, dem Werk und dem Einfluss Bruegels zu tun haben.

Familientratsch verleiht Werk und Leben die richtige Würze; Auftraggeber, Sammler und Freunde erzählen uns mehr über die Entstehung von Bruegels Ruf als Bauern- und Volksmaler.

 

  • Für Gruppen
  • Dauer: 2 Stunden
  • Maximal 15 Personen pro Führer
  • Preis: 75 € + 5 € Verwaltungsgebühr (Ab dem 2. Januar 85 + 5 € Verwaltungskosten) 
  • Im Voraus buchen ist erforderlich
  • Reservierung: Visit Antwerp – Booking and Ticketing, Grote Markt 13, 2000 Antwerpen, tel. +32 3 232 01 03, tickets@visitantwerpen.be.

Nadia De Vree

Pressekoordination für Museen und Kulturerbe Antwerpen